WegeBedarf – PraxisBericht. 
Erfinde Dich neu in der Krise für die Zeit nach der Krise

Eine Woche. 12 UnternehmerGespräche. Von Ablehnung bis Begeisterung. In diesem Blog mag ich einen Überblick über die Eindrücke, die Ideen und die ersten Ergebnisse aus diesen Gesprächen geben. 

Vor lauter TagesAlltag und Hamsterrad kommen viele nicht aus ihren Schubladen. Als externer UnternehmerCoach sehe ich einfach anders hin.

Der alte Spruch „Kontakte schaden nur dem, der keine hat“ stimmt immer. Besonders in herausfordernden Zeiten. Vor 3 Wochen riefen mich an einem Tag zwei alte Kontakte an, ob ich denn BaFa-Berater sei und ob ich sie bzw. ihre gewerblichen Mieter durch die Krise beraten könnte. Naja. Klar. „Folge den Zeichen!“ war der durchgängige Hinweis in dem berühmten Buch „Der Alchimist“ von Paulo Coelho. Also bin ich diesem Zeichen gefolgt und habe ich mich gekümmert. 

Letzte Woche sind die ersten Gespräche gelaufen. Ein regionaler großer Vermieter hat sich Sorgen um seine kleineren gewerblichen Mieter gemacht. Wenn ihm seine Mieter reihenweise umkippten, hätte auch er ein Problem. Um seine dauerhaften Erträge zu sichern, ist es besser, stabilere und ertragreichere Mieter zu haben. Als Bonus, wenn sie sich auf das Coaching/die Beratung einlassen, erlässt er ihnen je eine Monatsmiete. Natürlich waren alle interessiert. Und natürlich waren nahezu alle sehr skeptisch. Die, die vorher in meinen PodCast hereingehört haben, waren sehr offen und freuten sich richtig auf das Gespräch.


1. Erkenntnis für mich. PodCast hilft vorab. Kennenlernen. Typ, Charakter, Werte, Vorgehensweise etc. sind schon vorher klar. Das spart viel Zeit. 

2. Erkenntnis: Niemand hätte von sich aus die BaFa-Förderung beantragt. Einfach schon deswegen, weil sie sich nicht vorstellen können, dass jemand von ausserhalb ihnen Tipps für ihr eigenes Geschäft geben könnte. UnternehmensBerater sind für viele Theoretiker. „UnternehmerCoach“ und „WegBegleiter“ war allen durchgängig sympathischer. 

3. Erkenntnis: In jedem Gespräch haben sich neue Sichtweisen und Geschäftsideen gefunden, die  sich ohne diese Gespräche nicht ergeben hätten. Vor lauter Tagesalltag und Sicht von innen, sind sie für die Inhaber schier unsichtbar.

Machen wir es an ein paar Beispielen fest. Es war in dieser Woche sehr gemischt. Fahrschule, Blumengeschäft, Griechisches Restaurant, Hausverwaltung, Kosmetik- und TattooStudios, Bierladen, SchützenhausVereinsheim, VersicherungsBüro, Eisdiele, ReiseBüro, Regionale Ortszeitung … Die Inhaber haben sich alle schon viele Gedanken gemacht, was sie machen könnten, um die Krise zu meistern. Entsprechend skeptisch waren sie, sich mit mir als Externem auf die Reise zu begeben. IM oder AM Unternehmen zu arbeiten, macht ja einen Unterschied. Die Inhaber arbeiten IM Unternehmen. Gemeinsam arbeiten wir AM Unternehmen. Allein der Wechsel der BlickRichtung macht viel aus. Ich starte bei allen mit einem Blick in die Zukunft mit dem GesprächsBlock auf WOHIN und WOZU.
Wunschkonzert: Angenommen, Du könntest es Dir aussuchen, wo würdest Du im IdealFall in 5, 7, 10 Jahren stehen?
Oder: Einmal angenommen wir wären 5 Jahre älter. Und es würde ein Artikel über Dich und Deine letzten 5 Jahre in der Zeitung stehen: Auf was wärst Du stolz? Wo würdest du privat und geschäftlich stehen? Wie hättest Du die Krise damals 2020 vor 5 Jahren gemeistert?

Die Antworten kommen meist schnell und sind einfach prägnant: „Mehr Zeit für mich“ „Ruhig schlafen können“ „Sicher in Rente gehen können“ „Zwei Filialen mehr“  „Nur noch Aufträge und Kunden die Spass machen“ „Mehr Zeit für die Familie“ „Mal einfach nur im Garten sitzen“.  Der Trend war „Einfach nur mehr Zeit“ etc. … Dahinter versteckten sich dann weitere Themen wie: „Mehr Ertrag“ „MehrUmsatz“ „Gute Mitarbeiter, die mich entlasten könnten“ …
Im nächsten Schritt haben wir uns auf die Suche nach schon genutzten und vor Allem den bisher ungenutzten Potentialen begeben. Wo liegt Potential für ZusatzErträge, für Digitalisierung und – am Wichtigsten – für menschliche Einzigartiglkeit/Unersetzlichkeit. Mit dem Blick aus KundenSicht haben wir die meisten Ideen gefunden. 

Im Blumengeschäft habe ich die Inhaber gefragt, wie viele Kunden denn noch so eine Schwäche wie ich haben, dass sie sich nicht oder viel zu spät um Geburtstage, Jubiliäen etc. kümmern würden. Ich fände es extrem bequem und sicher, wenn ich auf ihrer Website alle Menschen, deren Adressen und Termine und den Betrag fürs Geschenk eintragen könnte, denen ich Blumen und andere Geschenke zukommen lassen möchte. Darüber hatten sie noch nie nachgedacht.
Kunden kommen in den Laden und wollen die Sachen mitnehmen. Stimmt. … Und andere Kunden hätten es gerne bequemer und sicherer. Immer am Geburtstag der Sekretärin steht morgens schon der Strauss für 35€ auf dem Schreibtisch. Ganz einfach. Völlig entspannt. Ohne Vergessen. Zum Hochzeitstag der Strauß roter Rosen. Oder oder oder …  Das haben wir gleich verprobt und andere gefragt, ob sie das entlasten und ihnen das Arbeit abnehmen würde. Alle fanden die Idee toll … und weil diese Bestellungen ja Monate im voraus planbar sind, entlastet es die Inhaberin des Blumengeschäfts, bringt Zusatzerträge und sichert die Arbeitsplätze.

Beim griechischen Restaurant war die Frage, warum die Gäste herkommen? Weil sie die Atmosphäre, die Musik und das Essen so „als kleinen Urlaub“ zwischendurch mögen. Hier war die Idee, wie wir diesen „kleinen Urlaub“ denn auch auf den Balkon der Leute bringen, wenn das Restaurant seit Wochen nicht öffnen darf. Statt einfach nur einzelne Speisen und Getränke bestellbar zu machen, könnte auch ein ganzes „Griechisches Fest“-Paket bestellt werden inkl. passender Musik.

In einer Pause mit dem TattooStudio standen wir vor Tür. Der Nachbar mit dem Biergeschäft kam dazu. Der TattooLaden ist mega stolz auf seine photorealistischen Tattoos. Der Bierladen – nur 1m weiter- bietet Bier mit individuellen Etiketten an. Ich frage den BierChef: Nur mal angenommen Du bekommst ein Foto von dem jeweiligen Tattoo, könntest Du aus diesem Bild ein BierEtikett machen, damit die Leute ihr eigenes Bier mit EtikettBild ihres eigenen Tattoos mitnehmen können?Ja klar. War die Antwort. Gut, dass die Läden nur einen Meter auseinander liegen …
6×6 Flaschen eigenes Bier ergeben 60€ Zusatzertrag für jeden der beiden. Beide waren sich sicher, dass TattooKunden sich mit ihren Tattoos auch zeigen wollen. Online im KundenBereich auch nachbestellbar. Und für die 5.000 bisherigen Kunden als SpezialCorona Angebot. Bild des alten Tattoo schicken, eigenes BierTattooEtikett stylen, Bier liefern lassen. Selbst wenn nur 5% der bisherigen Kunden bestellen, sind das 15.000€ Zusatzertrag für jedes der beiden Geschäfte. Nur mal so gerade nebenbei zahlt das die Jahresmiete für beide Läden. Für zwei Jahre. Und ergibt den fast vierfachen Einsatz des CoronaCoachings im Wert von 4.000€.
Wieder ein Win-Win für alle. Regional vernetzt. Diese Beispiele zeigen klar auf. Es lohnt sich, das eigene Hamsterrad zu verlassen und den Blick aus dem Tunnelblick zu weiten. Synergien und ZusatzNutzen ergeben neue Erträge, mehr Zeit, mehr Sicherheit, mehr Individualität … 

Aber klar ich weiß schon: ein UnternehmerCoach lohnt sich ja nicht, was soll der einem denn schon noch sagen können ;-)))

Und wie immer 3 Ideen für Dich:

  1. Betrachte Dich und Dein Geschäft von außen aus KundenSicht – am besten mit jemand externem gemeinsam 
  2. Frage Dich, was Du kannst du digitaler und für Deine Kunden bequemer, leichter, angenehmer machen?
  3. Frage Dich, was von dem, was du tust und kannst – was von dem, wie Du bist – macht Dich auf der Mensch-zu-Mensch-Ebene „unentbehrlich“? Was würden die Leute verpassen, wenn es Dich und Dein Angebot nicht gäbe?

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